III. Besteuerungsgrundlagen

1. Zunächst werden die Erben/Beschenkten gemäß ihrem Verhältnis zum Erblasser/Schenker in drei Steuerklassen eingeteilt:

In Steuerklasse I werden Ehegatten/Lebenspartner, Kinder und Stiefkinder sowie die Abkömmlinge der Kinder und Stiefkinder (Enkelkinder) eingruppiert, gleich ob es sich um einen Erbfall oder eine Schenkung handelt.
Eltern, Großeltern und Urgroßeltern werden nur bei Erwerb von Todes wegen in die Steuerklasse I eingeordnet, nicht bei einer Schenkung unter Lebenden.

In die Steuerklasse II werden Eltern, Großeltern, Urgroßeltern etc. eingruppiert, sofern sie nicht nach Steuerklasse I besteuert werden, also hier im Fall der Schenkung unterLebenden. Außerdem werden Geschwister, Neffen/Nichten, Schwiegerkinder, Stief- u.- Schwiegereltern, geschiedene Ehepartner und auch Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft dieser Steuerklasse zugeordnet.

In der Steuerklasse III finden sich alle übrigen Personen, wie etwa Lebensgefährten, Freunde oder entferntere Verwandte wieder.

2. Jedem unbeschränkt steuerpflichtigen Erwerber steht gem. § 16 ErbStG ein persönlicher Freibetrag zu, der sowohl für Erwerbe von Todes wegen als auch für Schenkungen unter Lebenden gilt. Der Schenkungsfreibetrag kann alle 10 Jahre erneut genutzt werden. Die Freibeträge gelten aber nicht für beschränkt steuerpflichtige Erwerbe, also solchen, bei denen weder der Erblasser oder Schenker noch der Erwerber in Deutschland wohnen (und nicht innerhalb der letzten fünf Jahre dort gewohnt haben) und es sich bei dem Erwerb um inländisches Vermögen handelt.

Der Freibetrag beträgt für

  • a. den Ehegatten/Lebenspartner 500.000 EUR;
  • b. jedes Kind/Stiefkind 400.000 EUR;
  • c. jedes Kind eines verstorbenen Kindes/Stiefkindes 400.000 EUR;
  • d. jedes Kind eines lebenden Kindes/Stiefkindes 200.000 EUR;
  • e. jede sonstige Person aus Steuerklasse I 100.000 EUR;
  • f. jede Person aus Steuerklasse II oder III 20.000 EUR.
Darüber hinaus wird gem. § 17 ErbStG beim Erbfall dem überlebenden Ehegatten/Lebenspartner und den Kindern ein zusätzlich besonderer Versorgungsfreibetrag gewährt. Dieser ist jedoch um den Barwert erbschaftsteuerfreier Versorgungsbezüge zu kürzen. Hierunter fallen u. a. Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und sämtliche Versorgungsleistungen aus einem Dienstverhältnis (betriebliche Altersversorgung).

Für Erwerbe von Todes wegen steht dem Erben ein Versorgungsfreibetrag in folgender Höhe zu:

  • a. Ehegatte/Lebenspartner 256.000 EUR
  • b. Kind bis zu 5 Jahren 52.000 EUR
  • c. Kind von mehr als 5 bis 10 Jahren 41.000 EUR
  • d. Kind von mehr als 10 bis 15 Jahren 30.700 EUR
  • e. Kind von mehr als 15 bis 20 Jahren 20.500 EUR
  • f. Kind von mehr als 20 bis 27 Jahren 10.300 EUR
Ab dem 27. Geburtstag haben erbende Kinder keinen Versorgungsfreibetrag mehr.

Vor der Berechnung der Erbschaftssteuer ist der Betrag, welcher der Besteuerung zugrunde gelegt wird, um folgende Positionen zu bereinigen:

  • a. die vom Erblasser herrührenden Schulden;
  • b. Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen, Auflagen und geltend gemachten Pflichtteilen
  • c. die Kosten der Bestattung des Erblassers, ein angemessenes Grabdenkmal, die übliche Grabpflege mit ihrem Kapitalwert für eine unbestimmte Dauer sowie die Kosten, die dem Erwerber unmittelbar im Zusammenhang mit der Abwicklung und Verteilung des Nachlasses entstehen. Für diese Kosten ist insgesamt ein Betrag von 10.300 Euro ohne Nachweis abziehbar.
3. Unter Berücksichtigung der vorangegangenen Ausführungen werden folgende Steuern bei Erbfällen und Schenkungen erhoben:
Zudem besteht in der Steuerklasse II ein zusätzlicher sachlicher Freibetrag für Hausrat und sonstige Gegenstände in Höhe von 12.000 Euro